"Stilles Flüstern" von Stefanie Leßle

Ausstellung zur Kulturnacht 2007 in Osnabrück (vom 8.9.2007 bis 27.9.2007)

Der thematisierte Verwandlungsprozess

Stefanie Leßle über ihre Kunst

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In der Malerei von Stefanie Leßle bildet die Verwandlung das Hauptthema. Die kleinformatigen Arbeiten laden zur stillen Betrachtung ein. In ihnen wird der thematisierte Verwandlungsprozess durch die Oxidation von Metall unterstützt, wobei das Rosten in den Gestaltungsprozess mit einbezogen wird, diesen teilweise auch bestimmt.

Kunstwerke von Stefanie Leßle

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Lebenslauf von Stefanie Leßle

1967 geboren in Karlsruhe

  • 1987-1996: Studium der Kunst, Kunsttherapie/päd., Dipl. FH
  • seit 1991: Ausstellungen und freie künstlerische Tätigkeit
  • seit 1996: auch als Kunsttherapeutin tätig
  • 2002: Teilnahme und Gewinnerin des 1. Preises am Kunstwettbewerb der Kunst- und Kulturstiftung Georgsmarienhütte

Stefanie Leßle lebt und arbeitet in Osnabrück

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Ausstellungen von Stefanie Leßle

(Auswahl)

  • 1991: "Wissenschaft als schöne Kunst", Untere Rathaushalle, Bremen (G)
  • 1994: Arthothek, Ottersberg (G)
  • 1995: "Fine Art von pro art", World Trade Center, Bremen (G)
  • 1995: "Zwei-Ladungen-Kunst" mit Künstlerin C. Behr, Galerie pro art, Bremen (E)
  • 1998: "Die 100ste", Cafe Paganini, Bremen (G)
  • 2000: "10 Jahre pro art", Galerie pro art, Bremen (G)
  • 2002: "Menschenwürde", Museum Villa Stahmer, Georgsmarienhütte (G)
  • 2004: "Fattorie Musica", Osnabrück (E)
  • 2004: "Wandlung", Steigenberger Hotel Remarque, Osnabrück (E)
  • (organisiert durch die Galerie ecart)
  • 2005: "Niedersächsische Grafiktrienale", Weserrenaissanceschloß Bevern (G)
  • 2005: "Jubiläumsausstellung der Kunst- und Kulturstiftung Georgsmarienhütte", Rathaus Georgsmarienhütte (G)
  • 2005: Steigenberger Hotel Remarque, Osnabrück (G)
  • 2006: Stadtgalerie, Osnabrück (G)
  • 2007: GALERIE schwarz | weiss, Osnabrück (G)

(E)= Einzelausstellung (G)= Gemeinschaftausstellung

Organisches im Wandel

Von Tom Bullmann im Feuilleton der Neue Osnabrücker Zeitung vom 19.9.2007

OSNABRÜCK. Geradezu kontemplativ-minimalistisch gerät die aktuelle Ausstellung von Stefanie Leßle in der GALERIE schwarz | weiss. Keine grellen Farben, keine plakativ ins Auge springenden Gemälde, dafür viel weißes Papier. Organische Strukturen zeichnen die Bilder und Objekte der in Osnabrück lebenden Künstlerin aus.

Erst auf den zweiten Blick erfasst der Besucher die Aura der Exponate, die in dieser Ausstellung ihre schüchterne Wirkung entfalten. An einer Wand applizierte Stefanie Leßle filigrane Papierobjekte. Zur rechten Seite hin sporadisch verteilt, kumulieren diese Teile, die sich in einer Art Auflösungsprozess zu befinden scheinen, in der linken oberen Ecke, als würden sie dort oben wie von einem Magneten magisch angezogen. Blumendraht hält die Papierpartikel in Form und hinterlässt Rostspuren, so dass allein von der Farblichkeit ein zersetzender Eindruck entsteht: Rost zerfrisst, seinem zerstörerischen Werk ist kaum Einhalt zu gebieten. So das Kalkül der Künstlerin: Das Objekt verändert sich, ist einem steten Prozess des Wandels unterworfen. Zur akustischen Untermalung dieses Prozesses kreierte die Künstlerin einen Geräusch-Soundtrack, der mit Klickersounds für Irritation sorgt.

Die kleinformatigen Bilder, die in vertikaler und horizontaler Reihung an einer anderen Wand hängen, korrespondieren mit den Objekten im Raum, nehmen in vergrößerter Form deren organische Struktur auf. Auch hier ermöglicht Stefanie Leßle durch die Wahl des Werkstoffs Verwandlung. Blasse Farben brachte sie auf Eisenplatten auf und ritzte Linien in die Oberfläche, so dass das Eisen in Kontakt mit Sauerstoff korrodieren kann und den Bildern den Status des Konstanten verweigert.

Mentale Fragezeichen hinterlassen auch die Kokons, die entfernt an Wespennester erinnern und von Stefanie Leßle auf einer runden Sandfläche mitten im Raum drapiert wurden. Was befindet sich in diesen Kokons aus Papier und Naturfasern?

"Stilles Flüstern" nennt Stefanie Leßle bezeichnenderweise ihre Ausstellung, zu der auch ein Wandfries aus Pergament gehört, dem die Künstlerin in Handarbeit feine Strukturen verpasste. Und so wenig, wie sich "stilles Flüstern" einer realen Thematik unterwirft, so wenig löst die Ausstellung allgemeingültige Assoziationen aus, lässt aber Platz für individuelle Interpretationen.

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